Mission “LUMENQI” – Eine Gründer-Story

LUMENQI – Designer und Schreiner mit Holz im Kopf

Im Frühjahr 2017 reist Christina Kölling ins erzgebirgische Dorf Seiffen. Dort, wo der Ursprung des Holzhandwerks zu Hause ist. Mit äußerster Sorgfalt gearbeitete, klitzekleine Holzfiguren begrüßen sie aus den Schaufenstern der zahlreichen Werkstätten. Die Schreiner, Drechsler und Spielzeugmacher nennen ihr Handwerk liebevoll Holzkunst. Angesteckt von dem außergewöhnlichen Handwerkszauber vor Ort, reist Christina zurück nach Dresden. Mit der Idee im Schlepptau, Handwerk aus dem Erzgebirge als Holzkunst 2.0 zu designen.

Fortan bereitet ihr das Entwerfen und Designen von kleinen Holz-Produkten großen Spaß. Da sie selbst nicht produziert, versucht sie um diese herum eine Infrastruktur aufzubauen, ein Netzwerk aus Handwerker*innen und Menschen, die einen minimalistischen und nachhaltigen Lifestyle verfolgen.

Dabei war die Idee hinter LUMENQI ursprünglich anders gedacht. Alles fing mit einer eigens entwickelten Kinderlampe an, die Christina unter dem Namen LUMENQI auf den Markt bringen wollte. Lumen steht im Lateinischen für Licht und Qi im asiatischen Raum für Energie. So entstand zunächst der Markenname. Die Lampe war ummantelt mit einem kleinen Schaf aus Silikon und funktionierte ohne Stecker. Dafür bekam Christina sogar die Möglichkeit einer Innovationsförderung. Um Laufen zu lernen, entwickelte Sie zuerst kleinere nicht elektrische Holzprodukte und übte sich im Vertrieb dieser. Dies lief so gut, dass sie sich vorerst für einen anderen Weg entschied: „Zunächst habe ich Unternehmen im Holzbusiness angefragt, meine Design-Ideen umzusetzen. Ziel war es, alle Produktionsprozesse regional zu halten bis hin zur Kartonage. Das ist mir eine Herzensangelegenheit. Bei den Design-Ideen lasse ich mich vom Alltag inspirieren und suche nach dem Besonderen, abseits vom Standard. Alle Sachen sind schlicht, fügen sich zu Hause ein und haben einen praktischen Nutzen.“

Bei Lumenqi dreht sich alles ums Holz.

Das Design-Team arbeitet heute mit beherzten Schreinern und Drechslern zusammen, die bereits in 5ter Generation hochwertige Holzoberflächen schaffen. Eine moderne Herstellungskette mit CNC-Technologie ermöglicht es, Handwerksprodukte zu einem guten Preis herzustellen. Die Perfektion der zum Teil computergesteuerten Fräsarbeiten wird abgerundet durch die Sorgfalt, Detaillierung und Oberflächenveredelung der Schreiner.

Design trifft Handwerk. Das Besondere an LUMENQI-Produkten ist, Christina verwandelt „Nur-Dekor-Produkte“ in „Nutz-Dekor-Produkte“. Zeitlos, minimalistisch und elegant mit klaren geometrischen Formen, die beliebig modular erweiterbar sind. In Kombination mit Haptik und Struktur der Holzoberflächen, werden kleine Unikate gezaubert mit funktionalen Raffinessen. Anliegen ist es, Design und Funktion über Zusatzfunktionen wie beispielweise Magnetkerne zusammenzubringen.

„Bei LUMENQI haben alle Freude am Projekt, das ist eine große Bereicherung.“

Christina kam im Jahr 2013 aus der Ecke Stendal nach Dresden, um an der TU Hochbau-Architektur zu studieren. Danach war sie angestellt in einem Architektenbüro in Dresden und Frankfurt. Die Wettbewerbsabteilung forderte viel Kreativität auf hohem Niveau unter Zeitdruck. Sie entschied sich das Erlernte in eigener Sache zu nutzen und so startete sie vor drei Jahren in die Selbständigkeit.

Unterstützung erfährt sie dabei nicht nur von ihrem Handwerker*innen – Netzwerk sondern auch von ihrem Lebenspartner Simon, der in eigener Selbstständigkeit bereits reichlich Erfahrungen gesammelt hat. Er managt den Webshop und Programmier-Angelegenheiten.Die LUMENQI-Base ist in der Bürosphäre, einem kreativen Büro-Freiraum für junge Unternehmen, in der Dresdner Neustadt zu finden. Von hier aus sendet Christina die Waren in die Welt hinaus.

Auf dem Weg ihrer Gründung hat die LUMENQI-Designerin so einige Hürden bewältigt. Ein Verständnis für Preisbildung zu entwickeln, war für sie ein großer Meilenstein: „Die Kundschaft ist stark durch die niedrigen Preise des asiatischen Markts beeinflusst, das kann man ihnen nicht übelnehmen. Für den Endverbraucher ist es tatsächlich schwer nachzuvollziehen, wieviel Aufwand in einem Produkt steckt und welche Kosten damit einhergehen. Wir streben ein gesundes Preis-Leistungsverhältnis an, das eine nachhaltige und faire Bezahlung für unsere Lieferanten und auch für uns ermöglicht.“ Christinas Intention ist es, die Achtsamkeit für traditionelles Handwerk zu steigern und die Menschen zu einem nachhaltigeren Konsum anzuregen.

Die größte Herausforderung für Christina war jedoch die Erkenntnis zu gewinnen, dass ihr Perfektionismus sich nur schwierig mit wirtschaftlichem Handeln vereinen lässt.: „Ich habe mich in Abwägung geschult: Was ist für den Endverbraucher wichtig? Was sind die Bedürfnisse der Händler? Was liegt dem Handwerker am Herzen?Entsprechend habe ich mein Unternehmen und die Infrastruktur ausgerichtet.“

Gründern würde Christina heute mit auf den Weg geben, mit Geduld voran zu gehen und nicht mit dem Kopf durch die Wand: „Du brauchst etwa drei Jahre, bis du dein Business auf die Beine gestellt hast. Ich wollte alles immer von jetzt auf gleich umsetzen, möglichst schnell. Vertraue darauf, dass sich mit der Zeit die Dinge finden.“

Die Gründer-Rakete unterstützt Christina auf ihrem Weg in den LUMENQI-Orbit bei der Aufarbeitung Ihrer Onlineprozesse. Zum einen vermitteln wir für eine kundenfreundlichere Abwicklung im Shop und auf der Webseite die nötigen Skills und Updates, zum anderen unterstützen wir bei der inhaltlichen Aufarbeitung und Vermarktung des Labels.

Nachhaltigkeit für Generationen schaffen.

Mutig geht’s voran. LUMENQI möchte in den kommenden Jahren mehr Arbeitsplätze schaffen und erhalten sowie den öffentlichen Blick aufs traditionelle Handwerk ins Erzgebirge richten. Bei der Modernisierung und Erhaltung des traditionellen Handwerks sieht sich Christina als Brückenschlägerin für kommende Generationen. Vielleicht gibt es zu den Holzarbeitern auch demnächst noch andere Gewerke. Außerdem bietet Smart Living einen Markt, den die junge Designerin in Zukunft gern erobern möchte. Den digitalen Gedanken mit Holz zu kombinieren, sieht sie als spannende Herausforderung, um ihr Label weiterzuentwickeln.

Verkauft werden die Holz-Raffinessen mittlerweile bei Händlern deutschlandweit, davon sind drei in Dresden, weitere in Österreich, Frankreich und demnächst auch in Japan. Denn noch kurz vor dem ersten Lockdown, im Februar 2020, sorgte sie auf der Weltleitmesse für Konsumkultur „Ambiente“ besonders bei japanischen Importeuren für Aufsehen. Natürlich gibt es alle Produkte auch im hauseigenen Online-Shop. Normalerweise sind diese jetzt zur Weihnachtszeit auch auf sächsischen und erzgebirgischen Weihnachtsmärkten zu finden. Aufgrund der aktuellen Situation nehmen die Lumenqis in diesem Jahr am virtuellen Seiffener Weihnachtsmarkt für Holzkunst aus dem Erzgebirge teil. Unter www.dregeno.de haben „Die Weihnachtsmacher“ eine Plattform für traditionelle Manufakturen geschaffen. Schaut mal vorbei.

„Schön muss es sein.“ Christina (LUMENQI-Designerin)

In diesem Sinne, habt ein schönes Weihnachtsfest. Lasst Euch inspirieren und vielleicht findet Ihr online das ein oder andere LUMENQI-Geschenk für Eure Liebsten.

www.lumenqi.de

Interview & Text: Nicole Zwahr Fotos: Lumenqi

Posted on 22. Dezember 2020 in Allgemein

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